Picos de Europa, 9. Tag

12. August 2015 — Vom Refugio Urriellu geht es noch einmal richtig nach oben in die Bergwelt des Zentralmassivs. Über die Höhenlagen und mehrere Pässe wandern wir zum weiter südwestlich gelegenen Refugio Jou de los Cabrones, bevor wir in einer Knochentour über 1000 Höhenmeter nach Bulnes absteigen.

Ein letzter Aufstieg zum Jou de los Cabrones

Ein schnelles Frühstück und dann treibt es uns wieder hinaus in die Berge. Nachdem der gestrige Tag mit den Sandalen gut gelaufen ist, haben wir beschlossen, wir wagen es über die Berge. Der Ring will schließlich geschlossen werden.
 
Malerisch liegen die Täler noch in Dunst und Nebel. Für uns geht es nun aber erst ein letztes Mal weiter nach oben. Über schmale Pfade und kleine felsige Kletterpassagen steigen wir zu mehreren Pässen und hangeln uns an gerölligen Abhängen entlang weiter westwärts.
 
Mittlerweile sind wir wieder in Regionen aufgestiegen, in denen hin und wieder noch Schnee liegt. Schließlich erreichen wir über eine kleine Kletterpassage den höchsten Pass Horcada Arena, bevor der Abstieg zum Refugio Jou de los Cabrones beginnt.
 
4 Jahre zuvor lag hier alle in dichtem Nebel und wir waren schon durchnässt bis auf die Knochen, als wir am Pass oben angekommen sind. Heute erst sehen wir, was wir damals verpasst haben: Ein Panorama, dass jeden beschwerlichen Schritt hier herauf rechtfertigt. Allerdings pfeift uns auch heute der Wind ganz schön um die Nasen, so dass wir uns doch bald auf den Weg nach unten zum Refugio machen. Bei letzten Mal hatten wir hier übernachtet, heute gibt es nur eine kleine Pause mit einer kühlen Erfrischung, bevor es weiter geht ins Tal.

Ein letzter Aufstieg — Das Tal liegt im orangenen Dunst, als wir morgens am Refugio Urriellu aufbrechen. Ein letztes Mal geht es durch die kargen, felsigen Höhenlagen der Picos.

Zu den Majadas de Amuesa

Der Abstieg hat es in sich und es gilt, einen Fehler nicht wieder zu machen, der uns damals unterlaufen ist und dazu geführt hat, dass wir plötzlich völlig ab vom Track auf einem riesigen Felsrücken nicht mehr weitergekommen sind. Es hat damals viel Kraft und Nerven gekostet, wieder zurück auf den Weg zu finden und nicht in irgendeine Felsspalte zu rutschen.
 
Als wir den kleinen Pass nach dem Refugio passiert haben, wird zum Glück schnell klar, wo wir damals falsch abgebogen sind. Bei Nebel ist die Markierung des richtigen Weges absolut nicht zu sehen und die falsche Route, die dann irgendwann in die Sackgasse führt, drängt sich förmlich auf, wenn man nicht weiß, wo man lang muss. Auch bei gutem Wetter muss man hier gut aufpassen, um in die richtige Schiene zu kommen.
 
Einmal richtig abgebogen, geht der Abstieg dann doch recht flott. Ein paar Kletterpassagen, die mit Seilen und Ketten gesichert sind, haben wir im oberen Teil noch zu meistern. Dann geht es über Schotter und später über schmale Wiesenpfade immer weiter talwärts zu den Majadas de Amuesa. Allmählich geht der Abstieg aber doch in die Knochen, vor allem in die Knie. An der Hochebene angekommen ist dann erstmal Pause angesagt. Bei einer guten Vesper auf den weitläufigen Wiesen eröffnet sich ein wunderbarer Blick ins Tal von Bulnes und dem gegenüberliegenden Collado Pandébano.

Abstieg — Der Blick schweift beim Abstieg übers Westmassiv. Bei der Rast an den Majadas de Amuesa hat man eine gute Aussicht ins Tal nach Bulnes und zum gegenüberliegenden Collado Pandébano. Am Abend ziehen Wolken auf und der erste Regen fällt. Passend zum Ende der Tour schlägt das Wetter um.

Das Grauen von Bulnes

Dann weiter ins Tal. Diese letzte Passage im Canal de Amuesa hat es noch einmal in sich. Steilstrecke auf serpentinenartigen Schotterpfaden. Fast werden wir noch von zwei Trailrunnern überrannt, die quer über die Geröllfelder ins Tal „surfen“. Aber dann ist es geschafft. Bulnes ist erreicht und damit hat sich der Ring fast geschlossen. Ein letzter kleiner Abstieg trennt uns nur noch von Poncebos.
 
Leider haben wir uns entschieden, noch eine Nacht in dem an sich malerischen Bergdörfchen zu verbringen. Den Abstieg hätten wir auch noch geschafft und hätten uns die schlechteste Herberge und das grauenhafteste Essen des ganzen Weges gespart. Davor kann man leider nur warnen! Wir nennen keine Namen, aber der gut gemeinte Rat ist, genau hinzuschauen, wo man isst und schläft. Die Duschen funktionierten nicht, die sanitären Anlagen sind grauenhaft, das Lager völlig verdreckt, unfreundliches Personal in der Bar und ein Essen, dass eigentlich nicht genießbar ist…
 
Aber was soll’s, auch solche Erlebnisse braucht es. Hier regiert eben der Touristennapp, denn das Dorf ist dank einer Seilbahn, die von Poncebos aus hier herauf führt, ein sehr beliebtes Ausflugsziel.