Picos de Europa, 8. Tag

11. August 2015 — Der 8. Tag führt uns zunächst talwärts nach Sotres und dann wir wieder auf bekannten Wegen auf zum Collado Pandebano und weiter hinauf ins Zentralmassiv zum bekanntesten Wahrzeichen der Picos de Europa dem Pico Urriellu.

Erstmal ins Tal

Trotz nächtlicher Störung durch sehr spät ankommende Wanderer weit nach Mitternacht haben wir wirklich sehr gut geschlafen auf dem urigen Dachboden und gönnen uns erstmal ganz in Ruhe ein Frühstück mit ordentlich Milchkaffee, bevor wir uns auf wen Weg machen. Noch liegt die alte Mine im morgendlichen Dunst.
 
Heute haben wir großes vor, wenn alle gut geht, denn unser Weg führt über Stores zurück ins Zentralmassiv und zum Wahrzeichen der Ricos de Europa, dem Picu Uriellu, auch bekannt als Naranjo de Bulnes, an dessen Fuß unser Tagesziel, das gleichnamige Refugio liegt. Doch ein Schritt nach dem anderen…
 
Der Abstieg nach Sotres verläuft gemächlich auf meist breiter Piste und eröffnet immer wieder den Blick in die nebligen Täler, die im Licht der aufgehenden Sonne aussehen wie in einem Märchen. Schließlich erreiche wir die kleine Landstraße CA-1, der wir einige Kilometer talwärts bis nach Sotres folgen.

Auf dem Weg nach Sotres — Schon bald nach dem Aufbruch am Refugio ist die kleine Landstraße erreicht und wir steigen ab ins Tal des Rio Duje.

Entscheidungen in Sotres

In Dorf angekommen machen wir erstmal Rast und halten Ausschau nach einem Laden, im dem es vielleicht Schuhe geben könnte. Gena ist immer noch in seinen Wandersandalen unterwegs und wir müssen eine Entscheidung treffen wie es weitergeht. Der Weg soll uns ja ein weiteres Mal in die Höhenlagen des Zentralmassivs führen und da ist festes Schuhwerk eigentlich unerlässlich. In einem Souvenirladen findet sich tatsächlich ein einzelnes Paar Schuhe, leider aber eine Größe zu klein…
 
Also gibt’s noch eine große Tasse café con leche und dann fällen wir die Entscheidung, einfach erstmal weiter zu gehen und zu sehen, was passiert. Bisher ist Gena mit den Sandalen gut zurechtgekommen. Es geht eben nicht ganz schon schnell, aber sie sind ja zum Wandern ausgelegt und stabiler als andere Schuhe. Wir wagen also den uns schon von 2011 bekannten Aufstieg zum Pico Urriellu und nehmen die Tour als Test für das Schuhwerk. Wenn es wirklich nicht geht, haben wir immer noch die Möglichkeit am nächsten Tag den gleichen Weg zurück zum Collado Pandebano zu nehmen und dann ohne die Schleife über die hohen Pässe gleich nach Bulnes abzusteigen.

Am Pandébano — Am Pass stecken wir plötzlich mitten im Nebel. Aber schon kurze Zeit später entfaltet sich darüber das prachtvolle Bergpanorama, der Weg wird sichtbar und der Pico Urriellu lockt von Ferne.

Aufbruch ins Zentralmassiv

Am späten Vormittag schnappen wir uns also die Rucksäcke und machen uns auf den Weg zum Collado Pandebano, einem niedrig gelegenen Pass, an dem man dann die Wahl hat, entweder weiter zum Urriellu oder nach Bulnes zu gehen.
 
Zunächst geht es weiter ins Tal des Duje zurück und dann auf der anderen Seite serpentinenartig wieder hinauf ins Zentralmassiv. Man passiert noch eine Siedlung mit verfallenen Häusern und schon ist man am Pass.
 
Plötzlich ein von früher bekanntes Bild: Der ganze Pass ist mit Nebel verhangen. Es ist jedoch nicht von langer Dauer und zeigt uns nur die eigentlich so typische Wechselhaftigkeit des Wetters in den Bergen. Wir haben diesmal Glück. Anders als 2011, als Regen uns Nebel die gesamte Tour zu einem sehr nassen und einsamen Vergnügen gemacht haben, ist uns auch heute die Sonne schnell wieder hold und entsprechend voll ist der ganze Weg dann auch mit Tagestouristen. Im Gänsemarsch geht es vorbei am Refugio Tenerosa, wo wir eine kurze Rast einlegen, weiter hinauf zum Urriellu.
 
Schnell wird und klar, warum es so viele Leute hier herauf zieht. Das Panorama ist gigantisch! Nach und nach begreifen wir, was uns damals alles entgangen ist. Es war genau die richtige Entscheidung, noch einmal hierher zu kommen. Immer höher schraubt sich der Weg an den Felsen und bald bleibt nicht viel mehr als ein schmaler Pfad, der über riesige Felsblöcke steil zum Refugio führt. Unten im Tal hängen mittlerweile dicke Wolken und bilden ein Meer, über dem wir der Sonne entgegen klettern.

Am Urriellu — Am Refugio angekommen sind wir ziemlich geschafft und stecken mitten im Touristentubel. Glücklich zu zufrieden schweift abends der Blick über die Berge und das endlose Wolkenmeer.

Am Refugio Urriellu

Am frühen Nachmittag erreichen wir endlich ziemlich durchgeschwitzt das Refugio Urriellu, an dem ein Trubel herrscht, fast wie an einem Ausflugslokal im Harz im Hochsommer. Viele machen sich am selben Tag auch wieder auf den Weg ins Tal. Aber das Refugio ist gut gefüllt und abends im großen Speisesaal geht es sehr laut und munter zu. Ganz anders als in der kleinen Hütte in Andara gestern kommt so etwas wie Hüttengemütlichkeit hier nicht wirklich auf. Und nachdem die Leute mit einem sehr umständlichen und zungenbrecherischen System nach Nationalitäten sortiert an den Tischen platziert sind, anstatt einfach zu sagen: sucht euch einen Platz, wo und mit wem ihr gerne zusammen sitzen wollt, ist das Essen dann zumindest reichlich und schmeckt ganz anständig. Langsam schließt sich der Ring und wir sind gespannt, was die letzten beiden Tage noch bringen werden.