Picos de Europa, 7. Tag

10. August 2015 — Durchs Tal des Rio Duje geht es am 7. Tag zunächst nordwärts bergab, bevor unser Track in östlicher Richtung in einem einsamen und kraftzehrenden Aufstieg ins Westmassiv hinaufführt. Ziel des Tages ist das kleine Refugio Casetón de Andara.

Bekannte Wege

Schon auf unserer ersten Tour durch die Picos im Jahr 2011, damals auf der so genannten Ruta de la Reconquista, hatten wir das Tal des Rio Duje in Richtung Sotres durchquert. Damals waren wir sehr früh am Morgen in Potes gestartet, über Mogrovejo nach Áliva aufgestiegen und dann immer weiter bis nach Sotres. 30km, die es damals ins sich hatten.
 
Heute wie gesagt ist das Hotel Refugio Áliva unser Startpunkt und nach einer guten Nacht in richtigen Betten und einem für spanische Herbergen typischen Frühstück mit tostadas und cafe con leche machen wir uns noch relativ früh am Morgen auf den Weg. Die Sonne kämpft sich bei wieder mal strahlend blauem Himmel gerade über die Gipfel der Berge und wir schlendern in der kühlen Morgenluft auf dem breiten Schotterweg immer weiter bergab. Erinnerungen an die Tour vor 4 Jahren werden wach. Damals hingen dicken Regenwolken über uns und Nebel versperrte oft die Sicht auf die Berge.
 
Vieles kommt uns bekannt vor, vor allem die kleinen Brücken, über die wir immer wieder den Fluss überqueren. Schließlich erreichen wir das Quartier mit alten Steinhäusern, dass schon lange nur noch im Sommer von den Viehbauern genutzt wird und machen uns kurz darauf auf einem sehr schmalen Pfad auf den Weg nach oben.

Im Tal des Duje — Morgens steigt die Sonne über die Berggipfel. Die breite Schotterpiste in Richtung Sotres liegt noch im Schatten.

Ein Aufstieg auf Abwegen

Steil führt uns der Trampelpfad immer weiter in die Höhe und verliert sich bald komplett. Eine ganze Weile sind wir schon aufgestiegen und haben manche Kletterpassage durch steile, felsig-feuchte Bachläufe gemeistert, als wir schließlich mitten am Hang auf riesigen Geröllmassen nicht weiter zu kommen scheinen. Keine Markierungen, kein Pfad, nur rutschiger Schotter an einem wirklich steilen Hang. Das kann eigentlich nicht der richtige Weg sein, aber das GPS sagt, dass wir uns mehr oder weniger auf unserem Track befinden.
 
Am Ende des Tages im Refugio müssen wir feststellen, dass es einen anderen Weg weiter südlich gegeben hätte, der vermutlich besser passierbar gewesen wäre. Da haben wir wohl den falschen Track erwischt. Aber das wissen wir in dem Moment noch nicht und kämpfen uns Schritt für Schritt und immer wieder mit Umwegen aufgrund von unüberwindbaren Hindernissen weiter in Richtung eines kleinen Passes, den wir nach langem Kampf mit dem Geröll und einer finalen Kletterpartie zu einer engen Felsspalte schließlich erreichen.

Aufstieg ins Westmassiv — Etwa auf halber Höhe schweift der Blick zurück ins Tal und in Richtung Zentralmassiv. Endlich oben angekommen ist es Zeit, bei einer ausgiebigen Rast die Füße zu lüften. Mancher Gipfel ist schon ganz nah.

Rast und Abstieg mit Hindernissen

Nun ist erstmal eine ausgiebige Rast angesagt auf der Hochebene. Hier treffen sich verschiedene Wege und plötzlich begegnen uns auch wieder Menschen. Die Gesichter wechseln nun aber täglich. Im Westmassiv waren wir drei Tage lang immer wieder mit den gleichen Leuten unterwegs. Seit wir ins Zentralmassiv aufgestiegen sind, hat sich das komplett geändert.
 
Der letzte Aufstieg ist nicht spurlos an uns vorbeigegangen. Genas Schuhsohle hat sich leider wieder gelöst. Noch hält sie, aber auf dem Weg nach unten, der uns zunächst durch ein großes Schotterfeld und dann auf immer breiteren Pfaden und schließlich Wegen wieder in tiefere Regionen führt, gibt der Schuh schließlich ganz auf. Nichts zu machen. Es bleibt nur der Umstieg auf die Wandersandalen, mit denen wir schließlich sicher und wohlbehalten am Refugio ankommen.

Casetón de Andara — Das Refugio liegt in einer alten Mine liegt. Von hier eröffnet sich ein wunderbarer Blick in Richtung Norden.

Refugio Casetón de Andara

Die kleine Hütte liegt in einem Steinbruch mit einigen Stollen und einem verfallenen Schienensystem. Früher war sie mal eine Unterkunft für die Minenarbeiter. Das Refugio Casetón de Andara ist sehr einfach ausgestattet aber doch ziemlich gemütlich mit einem großen Matratzenlager unterm Dach. Endlich mal wieder richtiges Hüttenfeeling. Und irgendwie auch ein Geheimtipp, denn viele Leute sind hier nicht. Die Wandermassen sind dann doch eher im Zentralmassiv unterwegs.
 
Ein netter Herbergsbetreuer versorgt uns mit kühlen Getränken und einem einfachen, aber doch sehr leckeren Hüttenessen, dass den ereignisreichen Tag abrundet und uns müde und zufrieden in die Schlafsäcke schlüpfen und schnell einschlafen lässt.