Picos de Europa, 6. Tag

9. August 2015 — Das Ziel des 6. Tages markiert den südöstlichsten Punkt unseres Rings durch die Picos de Europa. Über die Höhen des Zentralmassivs machen wir uns auf den Weg zum Hotel Refugio Aliva und damit zum Tal des Rio Duje, das zwischen Zentral- und Ostmasiv liegt.

Gemütlicher Start im Sonnenschein

Schon der sechste Tag und immer noch ist uns die Sonne treu. Selten erlebt man so viele herrliche Tage am Stück in den Bergen. Nach einem kurzen Frühstück packen wir unseren Sachen im schon geschäftigen Refugio und machen uns schnell auf den Weg. Der Trubel in der Herberge lässt uns in die Berge flüchten, wo zunächst viel Ruhe und eine weitere heftige Kraxeltour auf uns warten.
 
Anfangs verläuft der Weg recht flach an Hang entlang zu einem kleinen Pass. Blickt man von dort zurück zum Refugio, hat man eine beeindruckende Aussicht auf die Felswand und den letzten heftigen Aufstieg des vergangenen Tages. Wir gehen weiter der Sonne entgegen in Richtung Osten und wählen den unteren, vermeintlich weniger steilen Weg zur Cabaña Veronica und dem dort gelegenen, sehr kleinen Refugio.

Aufbruch bei Sonnenaufgang — Majestätisch liegen die Berge vor uns. Noch ist der Weg flach und der herrlich kühle Morgenwind weht uns um die Nasen.

Im Geröllfeld

Entspannt schlendern wir über Wiesen und kleine Pfade und der Weg schlängelt sich vom Pass aus zunächst immer weiter ins Tal. Ein herrlicher Morgen und die Tour kostet nicht viel Kraft. Aber zu früh gefreut. Je weiter wir absteigen, desto höher müssen wir dann auch wieder aufsteigen. Das kleine Refugio wäre, würden wir dort übernachten, der höchste Schlafplatz der ganzen Tour.
 
Bald verlassen wir dem GPS-Track folgend also den kleinen Pfad ins Tal, begeben uns in ein riesiges Geröllfeld und erklimmen geduldig Felsbrocken um Felsbrocken auf dem Weg nach oben. Ohne GPS wären wir wieder mal vollkommen verloren. Am Abzweig gab es noch eine kleine, unscheinbare Markierung, aber jetzt kann man nur raten, in welche Richtung man klettern soll. Und diese Kletterei schlaucht ganz schön. Nach über einer Stunde erreichen wir endlich einen schmalen Pfad am Hang, auf dem es dann nicht weniger steil, aber nun mit gelegentlichen Farbmarkierungen weiter nach oben zum Refugio geht.
 
Irgendwann verlassen wir das Geröllfeld und klettern über Felsen weiter. Mittlerweile sind wir so weit oben, dass wir ein herrliches Panorama um uns haben und nach einer ganzen Zeit angestrengter Kletterei über die schroffen, zerklüfteten Felsrücken des Hochgebirges kommt schließlich das igluartig geformte kleine Refugio Cabaña Veronica in Sicht. Es dauert dann noch fast eine Stunde, bis wir den restlichen Weg dorthin über die Felsen zurückgelegt haben und wir gönnen uns zur Belohnung eine wunderbare Erfrischung.

Aufstieg zur Cabaña Veronica — Nach einem riesigen Geröllfeld führt der Weg mit Farbpunkten markiert lange über zerklüftete Felsen bis endlich das Refugio sichtbar wird.

Wieder mal auf Touriwegen

Am Refugio herrscht regelrecht Trubel, unerwartet für uns, weil ja der Weg hierher nicht unbedingt massentauglich ist. Hier ist aber alles voller Touris mit Sandalen, Leichtgepäck und Radio-Pop dudelnden Handys. Beim folgenden Abstieg wird schnell klar warum: Viele machen sich von der weiter im Tal gelegenen Seilbahnstation auf den Weg nach hier oben. Von dort aus führt ein breiter, wenn auch recht steiler und steiniger Weg zum Refugio, das mit seiner herrlichen Rundumsicht ein attraktives, wenn auch nicht ganz unanstrengendes Ziel für einen Tagesausflug ist.
 
Bei dem herrlichen Wetter ist der Weg dann auch entsprechend voll, als wir uns ins Tal aufmachen. Und wer sich da nicht alles, seine Kondition völlig überschätzend, heraufquält. Hier geht es ähnlich zu wie in der Caresschlucht am ersten Tag. Der Abstieg geht aber trotzdem relativ flott und wir erreichen am frühen Nachmittag zunächst die Seilbahnstation von Fuente Dé und dann auch das Hotel Refugio Aliva, von wo aus man beste Sicht auf das Chalet Real hat, ein Ferienhaus der spanischen Königsfamilie mitten in den Picos.

Im Tal des Duje — Fast am Ziel wird das Chalet Real sichtbar. Gemütlicher Tagesausklang auf der Terrasse des Hotels bei eine caña con limón. Die untergehende Sonne taucht die Berge in herrliches Glutrot.

Chalet Real und Áliva

Die Herbgerge, das Hotel Refugio Áliva ist eine recht merkwürdige Sache. Es ist eine Mischung aus Hotel und Pension mit Zimmern mit Dusche, einem Restaurant und einer großen Hotelbar. Und doch liegt es mitten in den Bergen, ohne dass eine richtige Straße hierher führen würde. Ein bisschen ist es wir im Film Shining. Naja, vielleicht nicht ganz so schick und nicht ganz so gruselig. Nachts wird der Strom abgestellt und das Wasser.
 
Wir genießen den Comfort, den das Haus bietet und lassen es uns gut gehen. Seit Tagen mal wieder richtig duschen und dann schön Essen gehen. Abends dann auf der Terrasse der Bar entspannt ein paar cañas con limón genießen und dann endlich mal wieder in einem richtigen Bett schlafen. Purer Luxus…