Picos de Europa, 5. Tag

8. August 2015 — Gut ausgeruht und mit frisch geklebten Schuhen machen wir uns am 5. Tag der Tour auf den Weg zurück in die Berge. Das Westmassiv liegt schon hinter uns der Ruhetag gestern hat uns gut getan. Nun geht es in die Höhenlagen des Zentralmassivs zum Refugio Collado Jermoso, dahin, wo die Gipfel am höchsten sind und die Bergwelt am beeindruckendsten ist.

Durchs Cares-Tal und dann hinauf

Zunächst folgt der Track der Landstraße, die im Tal des Rio Cares in nördlicher Richtung weiter bis nach Caín führt. Im Dorf Cordiñanes zweigt er dann ab und wir gewinnen auf einem schmalen Pfad nordostwärts schnell an Höhe. Nach einem ersten kräftigen Aufstieg erreichen wir bald die Hochebene Vega de Asotín, wo wir erstmal eine kleine Rast machen.
 
Steil geht es ab hier zunächst über einen Geröllpfad, später fast weglos hinauf zu einem Bergkamm. Spätestens jetzt sind wir froh, genügend Kraft für den Aufstieg getankt zu haben. Die Sonne verwöhnt uns wieder, nachdem sich der morgendliche Nebel verzogen hat. Fast könnte man sagen, erbarmungslos scheint sie vom strahlend blauen Himmel und lässt die Kraxelei in den Mittagsstunden zu einer schweißtreibenden Angelegenheit werden. Schritt für Schritt steigen wir auf und das Panorama wird immer beeindruckender. Anderen fällt die Tour offensichtlich leichter. Im Laufschritt überholen sie uns auf dem Weg zum Refugio Collado Jermoso. Aber wir haben keine Eile, genießen lieber in vollen Zügen die wunderbare Aussicht, die sich uns bietet. Die Plätze in der Herberge sind ja längst gesichert und der Weg ist bekanntlich das Ziel. Also machen wir oben auf dem Kamm angekommen eine ausgiebige Siesta mit Panoramablick bevor es weitergeht.

Von Cordiñanes zum Jermoso — Unten im Tal verläuft die Straße nach Caín. Auf den Fotos recht harmlos, hatte es der Aufsteig zum Pass wirklich in sich.

Kraxeltour und Traumpanorama

Weiter verläuft unser Track erstmal relativ flach auf einem schmalen Pfad am Hang. Wir umrunden einen Gipfel und gelangen so an eine Felswand, die direkt hinauf zum Collado Jermoso führt, wo das Refugio und damit das Tagesziel liegt. Weit kann es nicht mehr sein. Der kleine Pfeil, der auf dem Display des GPS-Trackers unsere aktuelle Position anzeigt, befindet sich schon fast direkt neben dem Zielpunkt an der Hütte. Aber da ist nichts. Nur eine unglaublich hohe Felswand, die wir noch bewältigen müssen, bevor es im Refugio endlich die ersehnte Erfrischung gibt. Es ist mittlerweile ziemlich heiß geworden am frühen Nachmittag in der spanischen Sommersonne und an Schatten spendende Bäume ist nicht zu denken.
 
Auf Fotos sieht das Abenteuer dann meist ganz harmlos aus, aber diese letzten Meter hinauf hatten es wirklich in sich. Auf Geröll geht immer wieder drei Meter vor und zwei zurück. Weiter oben hangeln wir uns dann auf nacktem, rutschigem Fels Stück für Stück immer weiter. Nicht ganz ungefährlich, aber deswegen macht das Ganze ja auch so viel Spaß und es ist ein großartiges Gefühl, wenn dann endlich das Dach des Refugios an der Horizontlinie sichtbar wird und wir sagen können, wir haben es geschafft, wir sind oben am Pass und brauchen den Rest des Tages nichts weiter zu tun als zu essen, zu trinken und die Aussicht zu genießen. Und die ist hier oben wirklich wunderbar. Zwar versperren uns Wolken, die an den Bergen hängenbleiben immer mal wieder etwas die Sicht, aber es ist doch auch ein irres Gefühl nicht nur sprichwörtlich, sondern ganz real mit dem Kopf in den Wolken zu stecken.

Collado Jermoso — Wiedersehen mit Freunden am Refugio. Der Blick zurück vom Pass zur Hütte. Abends versinken die Berge nach und nach in Wolken und Nebel.

Am Collado Jermoso

Der Nachmittag bringt viel Sonne und Entspannung und abends gibt es dann ein etwas beengtes Hüttenmenü. Viel Platz ist nicht in dem kleinen Aufenthaltsraum und man hat so das Gefühl, Gemütlichkeit soll hier oben gar nicht erst aufkommen, damit die Gäste schnell Platz machen für die, die schon für den nächsten Tag in den Startlöchern stecken.
 
Es wirkt alles etwas unpersönlich und kommt einem wie Massenabfertigung vor, weil neben den Hausgästen auch noch ein ganzer Schwung von Zeltwanderern versorgt werden muss. Gegessen wird in Halbstundenschichten und dann schnell Platz machen für die Nächsten. Nicht wirklich das, was man sich von einem gemütlichen Hüttenaufenthalt verspricht, aber dafür ist in der Hauptsaison einfach keine Zeit. Mit unseren Ohrstöpseln ausgerüstet haben wir auch die Nacht im Schnarchlager oben unterm Dach gut verbracht und sind bestens ausgeruht für den nächsten Tag.

Fotoserie: Aufstieg zum Collado Jermoso