Picos de Europa, 4. Tag

7. August 2015 — Kurzstrecke ins Tal und ein Erholungstag in Posada de Valdeón.

Ein Entspannungstag

Am vierten Tag ist zur Abwechslung mal wieder etwas Erholung geplant. Eigentlich ist das Ziel dieser Etappe der Collado Jermoso mit dem höchstgelegenen Refugio, in dem wir übernachten werden. Um dort hinzukommen, muss man von den Höhen des Westmassivs absteigen ins Tal, von wo aus es dann nach einer kurzen Strecke entlang des Flusslaufes des Rio Cares von Südwesten her erneut steil bergauf ins Zentralmassiv geht. Man kann aber auch im Tal einen Zwischenstopp einlegen und in Posada de Valdeón übernachten, bevor man sich wieder auf den anstrengenden Weg nach oben macht.

Vegabaño — Aufbruch morgens am Refugio. Die Wälder in der Umgebung liegen noch in märchenhaftem Nebel.

Nebellandschaften und Schuhprobleme

Morgens frühstücken wir also gemütlich und haben keine große Eile mit dem Aufbruch, weil das Ziel des Tages nur gute 12 Kilometer entfernt im Tal liegt. Und schließlich ist das ja auch irgendwie Urlaub. Anders als oben im Gebirge hängt hier noch Nebel in den Wäldern als wir losgehen. Bergauf durchstreifen wir einen märchenhaften Laubwald hin zu einem kleinen Pass. Vor dort aus geht es weiter über grüne Weiden und dann auf einer breiten Schotterpiste talwärts in Richtung Posada de Valdeón.
 
Gut, dass wir diese kurze Etappe eingeplant haben, denn plötzlich passiert das, was sich tags zuvor schon angekündigt hat: Die Sohle von Genas rechtem Wanderstiefel hatte sich unterwegs nach und nach etwas gelöst und nun ist der vordere Teil ganz abgefallen, so, dass er nun mit einem ‘Schnabelschuh’ unterwegs ist. So können wir nicht weiter. Für den Abstieg heute leisten die Sandalen erstmal gute Dienste, aber weiter ins Zentralmassiv können wir damit nicht. Einen Schuhladen werden wir im Dorf sicher nicht finden, also werden wir den Tag wohl nutzen müssen, um mit Bus oder Taxi in die nächste Stadt, das heißt, vermutlich nach Potes zu fahren um neue Wanderstiefel zu besorgen…

Posada de Valdeón — Entspannung in der Bar auf dem Dorfplatz.

Ein Nachmittag im Dorf

Schon kurz vor Mittag erreichen wir den Ort und treffen hier auf viele unserer Weggefährten der vergangenen Tage. Die meisten haben nur eine Runde durchs Westmassiv gedreht und machen sich von hier aus wieder auf den Weg nachhause. Vorher lassen wir es uns aber alle in der Bar am Hauptplatz gutgehen.
 
Unsere Pension, die Casa Rural Ezkurra liegt direkt gegenüber der Bar und ist ein echter Geheimtipp. Topzimmer und sehr nette und hilfsbereite Wirtsleute, leckeres Frühstück am nächsten Morgen und das alles für wirklich wenig Geld. Und auch für das Schuhproblem findet sich hier eine Lösung: Sowas passiert wohl nicht zum ersten Mal und der Wirt ist bestens ausgestattet mit Universalkleber und dem nötigen Werkzeug, um die Sohle wieder am Schuh zu befestigen. Wir können also ganz entspannt den Nachmittag genießen und unsere Vorräte im Dorfladen an der Ecke auffüllen anstatt eine umständliche und teure Reise rund um das Bergmassiv machen zu müssen. Abends gibt es dann noch ein sättigendes Menü in der Bar, das trotz vielversprechender Namen auf der Karte leider bei weitem nicht an den Hochgenuss des Vorabends heranreicht, aber doch Energie für den Aufstieg am nächsten Morgen gibt.