Haute Route (Wanderroute) 2017

Die Haute Route ist eine legendäre Hoch- und Gletschertour durch die atemberaubenden Walliser Alpen im Dreiländereck zwischen Frankreich, Italien und der Schweiz. Sie führt von Chamonix am sagenumwobenen Mont Blanc im letzten Zipfel Frankreichs über die Kämme und eisbedeckten Gipfel der südschweizer Bergwelt in ca. 7 Tagen hinüber nach Zermatt zum ebenso berühmten Matterhorn und wurde vor etwa 150 Jahren von englischen Bergsteigern das erste Mal in der Form begangen. Sie ist eine echte Bergtour, die über viele Gletscher und Schneefelder führt und unbedingt Kletterausrüstung und absolute Erfahrenheit und Sicherheit im hochalpinen Gelände erfordert. Dafür wird man bei gutem Wetter mit Aussichten belohnt, die man so schnell nicht vergisst.
 
Ohne Seil, Eispickel und Steigeisen zu begehen, aber nicht weniger beeindruckend und aussichtsreich ist die Wandervariante der Haute Route, die etwas weiter nördlich in tieferen Lagen an den Gipfeln und Gletschern vorbeiführt und für den Bergwanderer ohne Extremabitionen bestens geeignet ist. Je nach Wanderführer ist die genaue Routenführung variabel. Aber auch hier geht es in jedem Fall in einem sehr anspruchsvollen und die Kondition fordernden Programm hoch hinauf, oft weit über 3000 Meter in die Höhe. Und durch die Bögen, die man um die Gipfel herum geht, braucht man mehr Zeit (ca. 15 Tage von Chamonix nach Zermatt) und hat durch nötige Ab- und Wiederaufsteige insgesam mehr Höhenmeter zu bewältigen als bei der Hochtourenroute.
Wir haben uns Anfang August 2017 auf den Weg nach Chamonix gemacht, um die Wanderroute zu gehen. Grundlage für unsere Tour war der Rother Wanderführer Haute Route, in dem sowohl die Wanderroute, als auch die Hochtourenroute beschrieben ist. Die Planung war nicht ganz einfach und gemacht haben wir letztendlich nur einen ersten Teil von Chamonix-Mont-Blanc bis nach Les Haudères, was nach dem Erlebten unbedingt eine Fortsetzung fordert. Aber eins nach dem anderen und der Reihe nach…
 

Allgemeines

Die Route führt je nach eigener Einteilung in der Regel von Hütte zu Hütte (in der Schweiz Cabane) mit gelegentlichen Etappenzielen in Talorten, wo man entweder in Hotels oder einfachen Herbergen übernachten kann. Der Wanderboom der letzten Jahre hat leider dazu geführt, dass spontanes Gehen nur noch bedingt, eigentlich gar nicht mehr möglich ist. Eine langfristige Reservation der Hüttenplätze ist in vielen Fällen sehr zu empfehlen, in manchen Fällen sogar unerlässlich, will man nicht Gefahr laufen, keinen Schlafplatz zu bekommen. Dies gilt besonders da, wo die Route parallel zu anderen populären Touren verläuft, etwa der Tour de Mont Blanc (TMB), die völlig überlaufen ist von Touristen. Auch die Haute Route wird zunehmend kommerziell vermarktet und gerade in Amerika gibt es wohl Agenturen, die die Tour „Häppchenweise“ und mit Gepäcktransport für Großgruppen buchen und organisieren. Wenn man da hinein gerät, hat man tagelang Spaß.
 
Einige Hütten sind auf die Kommerzschiene aufgesprungen, fordern Vorkasse (daran sind sicher vor allem Wanderer schuld, die es bei Planänderungen nicht für nötig halten, abzusagen) und bieten Übernachtungen ausschließlich in Verbindung mit gebuchter Halbpension an, was eine Selbstversorgertour unmöglich macht. Oft sind sie sehr voll, clean und absolut unpersönlich. Und mit dem Reservierungszwang bindet man sich an ein starres Korsett, das in unvorhersehbaren Situationen keinerlei Reaktionsspielraum lässt. Das heißt, man muss jede Etappe vorplanen und tatsächlich auch schaffen. Auf schlechte Witterungsverhältnisse, konditionelle Erfordernisse (Pausentag) oder sonstige Vorkommnisse am Weg kann man kaum reagieren und im Ernstfall steht schnell gleich die ganze Tour auf dem Spiel, verbunden mit teils erheblichem finanziellem Verlust. Das klingt alles ziemlich abschreckend, aber der Reiz der Tour, das, was man erlebt, ist andererseits oft so überwältigend, dass man vieles doch in Kauf nimmt. Und wenn man geschickt etwas abseits der üblichen Etappenziele plant und bereit ist, noch etwas weiter mühsam hinauf zu steigen, hat man neben noch besseren Aussichten oft auch mehr Ruhe.

Anreise

Es gibt viele Möglichkeiten, nach Chamonix zu kommen und je nach Ausgangsort ist die eine oder andere mehr oder weniger sinnvoll. Wer von sehr weit her anreist, wird am besten das Flugzeug nehmen, z.B. nach Genf (88km) oder Lyon (220 km) und dann mit dem Zug bis zum Start fahren. Was die Schweiz betrifft, kommt man auch mit dem Postbus recht weit. Wir sind mit dem Auto angereist, um uns wenigstens in dieser Hinsicht etwas Flexibilität zu bewahren. In Chamonix gibt es eine ganze Reihe recht günstiger Langzeitparkmöglichkeiten, die man am besten kurz vorher im Internet aktuell recherchiert. Will man auch in der Schweiz mit dem Auto unterwegs sein, sollte man nicht vergessen, an der Grenze eine Vignette zu kaufen (PKW-Maut, ca. 40 Euro für ein Jahr).
 
Vom Zermatt, und natürlich auch von den meisten anderen Talorten auf der Route, zu denen man zwischendurch absteigen kann oder muss, kommt man mit Postbus und Bahn recht gut wieder zurück zum Start und zu seinem Auto. Je nach Ort sollte man dafür aber bis zu einem ganzen Rückreisetag einplanen.

Sonstiges

Wir bewegen uns in Frankreich und der Schweiz. Französisch ist die Hauptsprache, weil der Weg auch auf Schweizer Seite lange durch den französischsprachigen Landesteil verläuft. Aber auch mit Englisch kommt man mittlerweile gut durch. Ein Vorteil der Touristenmassen. Finanziell ist die Schweiz recht kostspielig. Das ist hinreichend bekannt. Gezahlt wird in Frankreich in Euro, in der Schweiz in Franken. In den touristischen Grenzregionen wird aber auch in der Schweiz oft der Euro als Zahlungsmittel akzeptiert. Häufig im Kurs 1:1. Vor allem bei den Hütten sollte man unbedingt vorher die Zahlungsmodalitäten klären. Auch bei Vorkasse ist immer noch etwas vorort zu bezahlen. Manche Hütten akzeptieren nur Franken und nicht überall ist Kartenzahlung möglich.
 
Strom war überall, wo wir übernachtet haben, ausreichend vorhanden, Wasser manchmal knapp oder ohne Gewähr am Brunnen vor der Hütte zu haben. Wer mit GPS navigiert, sollte unbedingt eine Powerbank zum Nachladen dabei haben. Es gibt durchaus auch Hütten ohne Steckdosen. Zusätzlich empfehlen sich trotz allem die hervorragenden Karen von SwissMaps im Maßstrab 1:25.000.
 
Auch wenn man das Mobiltelefon im Urlaub gerne ausgeschaltet lässt und die Berge ein Ort sein sollten, wo die Ruhe der Natur und nicht die Technik zu ihrem Recht kommt, ist es für den Notfall wichtig. Hier ist es wichtig, vorher den eigenen Vertrag auf Auslandsmodalitäten prüfen. Auch nach Wegfall der Roaminggebühren in der EU gelten im Ausland oft andere Rahmenbedingungen was Datenvolumen und Flatrates betrifft. Und: Die Schweiz gehört nicht zur EU! Auch da gelten oft andere Regelungen.

Unsere Etappen

Unsere Grundlage war die Routenführung des Rother Wanderführers in der 1. Auflage von 2015. Daneben gibt es einen englischsprachigen Früher, der aber für uns nicht infrage kam, weil dessen Route vor allem bei der Vielzahl von englischsprachigen Wanderern aus England, Amerika und Asien sehr beliebt ist. Zum Rother-Buch kann man sagen, dass es sehr ansprechend gestaltet ist und die Karten und Höhenprofile zumindest für eine grobe Orientierung gut sind. Hier und da waren die Angaben zu den Gehzeiten etwas frei, in seltenen Fällen gab es größer Abweichungen. Auch die Angaben zum Schwierigkeitsgrad waren bei zwei Etappen nicht nachvollziehbar. Die Wegbeschreibungen waren in den meisten Fällen für uns nicht nötig, weil der Weg gut markiert ist. War er es nicht, gaben die Beschreibungen aber auch nur eine recht grobe Hilfe. Nützlicher sind hier die GPS-Tracks. Aber auch sie wichen immer mal wieder von der ausgezeichneten Streckenführung ab. Im Zweifelsfall sind wir immer lieber der Markierung gefolgt. Zu warnen ist aus unserer Sicht vor allem vor der Etappe 8.1, die von der Cabane des Dix über den Cheilon-Gletscher führt. Der Schwierigkeitsgrad liegt bei mindestens T4, die Markierungen verlieren sich selbst bei gutem Wetter und die beschriebene Brücke war nicht zu finden. Dagegen war die als schwierig beschriebe Leiternpassage am Pas des Chevres ein Kinderspiel. Insgesamt gestaltete sich diese Etappe eher als ein Abenteuer als eine „harmlose Gletscherquerung“. Die Gehzeit hat sich durch die unübersichtliche Geländelage und die nötige Wegsuche mehr als verdoppelt.
 
Wir haben einige Wochen vor dem Start die Unterkünfte reserviert, mussten aber schon hier zweimal improvisieren, weil Hütten bereits ausgebucht waren. Alles Weitere zu den einzelnen Etappen findet sich in unserem ausführlichen Reisetagebuch, das in nächster Zeit hier Stück für Stück entsteht. Viel Spaß beim Weiterlesen!

Haute Route (Wanderroute) 2017 — Von Chamonix durch die Walliser Alpen nach Les Haudères

Einleitung

Tag 1: Von Chamonix über den Grand Balcon Sud nach Argentière

Tag 2: Von Argentière über den Col de Balme nach Trient

Tag 3: Von Trient nach Champex Lac

Tag 4: Von Champex Lac über Liddes zum Cabane Col de Mille

Tag 5: Vom Col de Mille über Mont Rogneux und Cabane Brunet zur Panossièrehütte

Tag 6: Von der Panossièrehütte über Fionnay zur Cabane de Louvie

Tag 7: Von der Cabane de Louvie zur Cabane de Prafleuri

Tag 8: Von der Cabane de Prafleuri über Lac des Dix zur Cabane des Dix

Tag 9: Von der Cabane des Dix über den Glacier de Chailon und Arolla nach Les Haudères